Digitalisierung und Transformation erfolgreich gestalten

„In der Pandemie bekommt das Vertrauen in die Fähigkeiten und in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter noch mal eine ganz andere Qualität“

von Dirk Otten am 11.02.21 16:16
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Rüdiger Theobald von BASF 3D Printing Solutions im Gespräch

Der Verantwortliche für die weltweite Vermarktung von Pulvermaterialien der BASF 3D Printing Solutions GmbH über die zunehmende Geschwindigkeit in der digitalen Welt, die Bedeutung von Vertrauen in der Führung und die Herausforderungen der Arbeitswelt von Morgen.

Zur Person

Rüdiger Theobald von BASF 3D Printing Solutions im Gespräch

Rüdiger Theobald verantwortet als Global Key Account & Business Development Manager Powder Bed Fusion die weltweite Vermarktung von Pulvermaterial der BASF 3D Printing Solutions GmbH/Heidelberg im Innovationsmarkt 3D-Druck.

Das Hightech-Unternehmen entstammt der BASF New Business GmbH und wurde im September 2017 nach erfolgreich absolvierter Inkubations- und Geschäftsaufbauphase ausgegründet, um das dynamisch wachsende Geschäftsfeld additive Fertigung mit einer dedizierten und den Marktgegebenheiten angepassten, schnellen und flexiblen Geschäfts-Einheit weiter aufzubauen. Rüdiger Theobald ist seit 2018 im Unternehmen und seit 2015 in der 3D-Industrie tätig. Zuvor war er über 25 Jahre im Vertrieb, Business Development, Produktmanagement und Marketing in verschiedenen Industrien und namhaften Unternehmen aktiv.

 

Digitale Transformation – was bedeutet das für dich und vor welche Herausforderungen stellt dich die digitale Transformation?

RÜDIGER THEOBALD Digitale Transformation heißt für mich vor allem, dass die Geschwindigkeit zunimmt. Du musst dich befähigen, mit dieser Geschwindigkeit in der Wahrnehmung, im Denken, im Umsetzen und im Reagieren Schritt zu halten. Und du musst darauf achten, dass du dich und dein Arbeitsumfeld mit den entsprechenden Tools, Arbeitsweisen und dem nötigen Equipment so aufstellst und strukturierst, dass alle dieser Geschwindigkeit folgen können oder sogar vorn sind bei diesem Rennen.

 

Wie verändert das schon heute deinen Alltag als Manager und die Arbeit in diesem Bereich?

RÜDIGER THEOBALD Als ich in die Berufswelt einstieg, war die kleinste Organisationseinheit ein Gruppenleiter, dem bis zu zehn Leute unterstellt waren. Morgens ging die ganze Post (Brief, Telex, Telefax) manuell zum Gruppenleiter, der alles durchsah, seine Kommentare anmerkte und es dann weiterreichte. Erst dann durften die Mitarbeiter ran.

Diese Form von Hierarchie ist natürlich nicht mehr denkbar. Heute arbeitet man meistens in einer Matrixstruktur: Jeder kommuniziert mit jedem auf jedem Level. Dadurch haben sich die Arbeitswelt und die Anforderungen an die Mitarbeiter insgesamt verändert.

Heute braucht man ein Team von Mitarbeitern, die alle hoch spezialisiert und sehr selbstständig sind, die alle auf einer Augenhöhe agieren. Und die in der Lage sind, Probleme selbst zu lösen und die richtigen Entscheidungen zu treffen, ohne dass man einen Vorgesetzten involviert. Sonst kann man die Geschwindigkeit, in der heute entschieden werden muss, nicht leisten.

Für den Manager heißt das, dass man loslassen muss: Man muss Verantwortung und Kompetenzen abgeben und sich immer mehr mit der Gestaltung der Rahmenbedingungen und der Bereitstellung der nötigen Tools beschäftigen, damit das Team die gewünschte Performance an den Tag legen kann.

 

Welchen Einfluss oder welche Auswirkung hat diese veränderte Führungsrolle auf eure Arbeitsweise als Team?

RÜDIGER THEOBALD Das Vertrauen muss stimmen: Zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern ist eine größere Vertrauensbasis als früher notwendig. Das wird jetzt, in Pandemiezeiten, durch das Homeoffice noch wichtiger. Es gibt zwar immer noch die klassischen Führungskräfte, die ihre Schäfchen um sich herumscharen wollen. Aber dieses Vertrauen in die Fähigkeiten und in die Eigenverantwortung der Mitarbeiter bekommt mit der Pandemie noch mal eine ganz andere Qualität. Ich denke, dass ist das Wesentliche für gute Führung, ob im Homeoffice oder im Büro: das Loslassen, das Vertrauen ins Team, damit das Team erfolgreich seinen Weg geht. Das fördert im Übrigen beiläufig auch die Motivation der Teammitglieder „ownership“ für „ihr Projekt“ zu übernehmen.

 

Auf Seiten des Vertriebs habt ihr intensiven Kontakt zum Kunden und damit ein großes Kundenwissen. Wie tragt ihr dieses Kundenwissen in die Organisation hinein?

RÜDIGER THEOBALD Wir haben bereits im Gründungsstadium unserer Firma ein CRM-Tool aufgebaut, in dem wir alle wesentlichen Informationen sammeln. Daraus leiten wir strukturiert Impulse an die entsprechenden Bereiche weiter, die daraufhin ihre Aktivitäten planen. Parallel dazu gibt es die klassischen Kommunikationsformate wie bereichsübergreifende Meetings, Konferenzen oder Reporte.

Ich denke, verzahnte Kommunikation ist hier insgesamt wichtig. Gleichzeitig sollte man aber aufpassen, dass man keine Überkommunikation, keine Kommunikationsinflation erzeugt. Wenn du zu viele Tools und zu viele Optionen hast, verlieren die Leute irgendwann den Überblick und den Fokus. Deshalb ist es insgesamt sehr wichtig, hier die richtige Balance zu finden.

 

Zurück zum Kunden: Was wollen eure Kunden und wie kann die Digitalisierung helfen, diese Kunden-Wünsche besser zu erfüllen?

RÜDIGER THEOBALD Die Kunden wollen vor allem Sicherheit. Sicherheit, dass die Organisation und die Menschen, mit denen sie zu tun haben, ihnen das Richtige zur richtigen Zeit, in der richtigen Qualität und natürlich zu den bestmöglichen Konditionen anbieten. Das beschreibt auch gut unsere Hauptaufgabe: dass wir dem Kunden die Sicherheit bieten, dass er die richtige Ware schnell, termingerecht und in der ausreichenden Menge bekommt – auch, wenn er kurzfristig etwas nachbestellt. Dann sind unsere Kunden mittel- und langfristig zufrieden und kommen immer wieder gerne zurück.

In einem Satz heißt das für uns: Wir müssen sicherstellen, dass wir für den Kunden ein Easy-to-deal-with-Partner sind. Wenn wir dem gerecht werden, sind wir erfolgreich. Und dass wir das erreicht haben, zeigt sich nicht nur daran, dass wir immer mehr Kunden dazugewinnen, sondern auch daran, dass wir in den vergangenen Jahren keinen Kunden verloren haben. Viele Kunden stufen uns als präferierten Partner ein, weil sie mit uns die einfachere, pragmatischere Lösung für ihre Probleme gefunden haben. Dafür konnten wir auch schon viele Awards entgegennehmen.

 

Inwiefern hilft euch die Digitalisierung dabei, dieser Easy-to-deal-with-Partner zu sein?

RÜDIGER THEOBALD Die Digitalisierung hilft uns, absolute Transparenz in unsere Prozesse hereinzubekommen. Eine saubere IT- und Daten-Struktur, die ständig aktuell ist, schafft intern die nötige Sicherheit, um für den Kunden absolut zuverlässig zu sein.

 

Was wird in Zukunft für erfolgreiche Vermarktung und erfolgreichen Vertrieb wichtig sein?

RÜDIGER THEOBALD Es gibt die Pflicht: Du brauchst State-of-the-Art-Produkte, die die Ansprüche der Kunden erfüllen. Du brauchst ein wettbewerbsfähiges Pricing und kompetente Mitarbeiter, die all diese Dinge kommunizieren und an den Markt beziehungsweise den Kunden bringen. Und vor allem brauchst du die Schnelligkeit, dass du Kunden sofort bedienen kannst. Andere haben vielleicht das im Detail passendere Produkt für den Kunden, aber an der Verfügbarkeit scheitert es. Da springen wir ein und binden den Kunden an uns.

Hinzu kommt die Kür: Als Innovator in einem Technologiemarkt müssen wir viele „Firsts“ haben, um diese Rolle mit Leben zu erfüllen und für den Kunden erlebbar zu machen. Denn wenn du aus Sicht des Kunden der Erste mit einem Produkt am Markt bist, dann wirst du die bevorzugte Adresse, die angefragt wird, wenn es neue Projekte und neue Anwendungen gibt.

 

Welche Innovation hat dich persönlich in letzter Zeit begeistert?

RÜDIGER THEOBALD Ich bin kein Mediziner oder Biologe, aber was mich absolut begeistert hat ist, dass Technologieunternehmen wie Biontech oder CureVac mit einer deutschen Basis es geschafft haben, in extrem kurzer Zeit einen Impfstoff zu entwickeln, der auf einer ganz neuen Technologie basiert. Der Impfstoff ist nicht nur da, er ist auch technologisch komplett anders aufgesetzt als die bisher bekannten Impfstoffe. Und wie man hört, funktioniert das wohl auch relativ gut und ohne Nebenwirkungen. Das ist für mich das Beeindruckendste, was ich in den letzten sechs- bis zwölf Monaten wahrgenommen habe.

 

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Themen: Unternehmenskultur Digitale Transformation Trends New Work

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